Save Social – Networks For Democarcy will soziale Netzwerke als demokratische Kraft retten. Damit aus dem Anspruch eine handlungsfähige Organisation wird, stellt polbeo im Hintergrund belastbare Infrastruktur. Die Geschichte beginnt im Juni 2025 in Mainz. Auch ein Känguru ist Teil dieser Geschichte.

Im Juni 2025 lernt Florian Dieckmann in der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz Björn Staschen kennen. Staschen stellt dort sein Buch „In der Social-Media-Falle“ vor. Das Thema: Die Plattformmacht sozialer Medien auf der einen sowie demokratische Öffentlichkeit und digitale Souveränität auf der anderen Seite. Florian kennt das Buch bereits. Sein Angebot an Björn: Wenn aus Save Social eine Bewegung werden soll, wird man dafür ein System wie CiviCRM brauchen. Florian will es bereitstellen.

Im Spätsommer 2025 kommt Björn auf dieses Angebot zurück. Gemeinsam mit Fabian Huschka richtet Florian pro bono eine CiviCRM-Instanz für die frisch gegründete Save Social – Networks For Democracy gUG ein. Es gibt kein Pflichtenheft. Die Organisation ist im Werden. Eine ideale Situation, denn CiviCRM ist mächtig. Man tut gut daran, nicht alle Funktionen gleichzeitig in Betrieb zu nehmen. Das System wächst mit.

Eine der ersten Maßnahmen ist der Aufbau eines Verteilers. Über Newsletter-Formulare auf Kampagnenseiten können Interessierte sich in solche Verteiler einschreiben, die in CiviCRM als Gruppen verwaltet werden. Die erste Kampagnenseite von Save Social läuft noch auf der Basis von WordPress, später auf der Basis von Kirby. Inzwischen binden auf diese Weise drei unterschiedliche Kampagnenseiten an die CiviCRM-Instanz an: SaveSocial, di.day und die Seite der 2MR-Konferenz. Dort eingebundene Formulare liefern eingegebene Daten per API an CiviCRM. Die Formularfunktionen werden rasch erweitert, zum Beispiel um ein etwas komplexeres Unterstützendenformular.

Parallel zu den Verteilern wächst die Anbindung des Fundraisings. Save Social nutzt Twingle. Weil es für CiviCRM eine von Twingle aktiv unterstützte Erweiterung gibt, ist die Spendenverarbeitung schnell initialisiert. Spendende und eingehende Spenden werden direkt in CiviCRM sichtbar, die Zahlungsabwicklung bleibt bei Twingle. Der Vorteil: Die Zuwendungen stehen nicht isoliert im Zahlungssystem, sondern gehören zur Kontaktgeschichte, die im System womöglich schon durch die Anmeldung zum Newsletter, den Kontakt über eine bestimmte Kampagne oder erste Veranstaltungsteilnahmen begonnen hat. Außerdem werden auf dieser Grundlage Zuwendungsbescheinigungen direkt aus CiviCRM heraus erzeugt. Das ist relevant, denn die Zuwendungsbescheinigung wird dadurch nicht als bloße Verwaltungspflicht behandelt, sondern als Stewardship-Touchpoint in der Donor Journey: ein Anlass, Dank auszusprechen, Wirkung zu zeigen und die Beziehung zur Spenderin oder zum Spender zu vertiefen.

Anfang Dezember dann die erste quantitative Herausforderung. Aus einer sehr erfolgreichen Campact-Kampagne können nach Zustimmung der Unterstützenden datenschutzkonform Tausende Kontaktdaten übernommen werden. Auch der dadurch jetzt stark vergrößerte Verteiler funktioniert reibungslos. Als SMTP-Relay für den Versand der E-Mails wird dafür datenschutzkonform Brevo genutzt.

Am 27. Dezember 2025 beginnt auch ein neues Kapitel. Auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg ruft Marc-Uwe Kling für Save Social gemeinsam mit CCC-Sprecher Linus Neumann den Digital Independence Day aus. Die Idee: An jedem ersten Sonntag im Monat machen Menschen und Organisationen einen Schritt heraus aus der Abhängigkeit von großen US-amerikanischen oder chinesischen Plattformen und hinein in freie, dezentrale, europäische oder gemeinwohlorientierte Alternativen. Das Känguru begründet mit dem DI.DAY, dem Digitalen Unabhängigkeitstag, eine digital-zivilgesellschaftliche Emanzipationsbewegung. Die Kampagnenseite di.day, auf der einfache Rezepte für diesen Wechsel bereitgestellt werden, wird zum öffentlichen Ort der Aktion. Die Anmeldung zum Verteiler läuft wieder über die für Save Social bereitgestellte CiviCRM-Instanz. Wieder folgt die technische Architektur demselben Prinzip: Die Kampagne kann eine eigene Website und eine eigene Ansprache haben. Kontakte, Einwilligungen und Verteilerlogik laufen in der gemeinsamen Datenbasis zusammen.

Anfang 2026 folgt der nächste Entwicklungsschritt. Björn Staschen und Florian König von King Consult realisieren ihre gemeinsame Idee, in Hamburg eine Konferenz zu veranstalten, die guten Beispielen für Kommunikation in offenen Netzwerken eine Bühne gibt: die 2MR – Digital Democracy For Tomorrow. Sie findet direkt am Vortag der OMR statt. Der Ort ist gut gewählt: Die Bucerius Law School liegt dem Branchentreffen gegenüber; hier begann auch dessen Geschichte. Während drüben die große Plattform- und Marketingwelt zusammenkommt, setzt die 2MR einen positiven Gegenakzent: soziale Medien, die Demokratie stärken; offene Netze; Fediverse; Mastodon; Beispiele, die zeigen, dass digitale Öffentlichkeit auch anders organisiert werden kann. Die Konferenz wird ein voller Erfolg.

Für Save Social aber bedeutet diese Konferenz einen weiteren Sprung in der organisatorischen Komplexität. Jetzt geht es um Einladungen, Anmeldungen, Teilnehmende, um die Kommunikation vor der Veranstaltung und darum, den Überblick zu behalten. Dafür wird CiviEvent genutzt, das Einladungs- und Teilnehmendenmanagement von CiviCRM.

Björn Staschen: „Was uns überrascht hat, war nicht die Leistungsfähigkeit des Systems, sondern sein symbolischer Wert. Gerade in der Anfangsphase konnten wir wichtige Partner auch dadurch überzeugen, dass wir von Tag 1 an mit CiviCRM professionell und zukunftsfähig aufgestellt waren, um der erwartbaren Arbeitslast gewachsen zu sein.“